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Mikrolyrik und Lyrikbruch für zwischendurch

 

Ein kleiner Seitenspinner

entpuppte sich

als Schreiberling.

 

Selten quakt der Frosch,

häufiger verschweigt er, dass

er gar kein Prinz ist.

 

Und als wir endlich kamen

Zu säen Deinen Samen

In Deinem großen Namen

Da riefst Du freudig: Amen!


Fill the hole

Make me whole

Make me holy

Make me wholly whole

Make me wholly holy

 

Die Melancholie,

die ich zum Himmel schrie,

verebbte nie,

versandet nur in Poesie.

 

Das Schwelgen

im Walde

steht da so

für sich allein

und ist sich selbst

genug

 

Du hast so viel mehr

Geduld mit mir

Als ich mit Dir

Ich danke Dir

So sehr dafür

Folge uns!!!

Ein Götze für alle

Deutschland ist Fußball-Weltmeister. Das ist zweifellos ein Grund zu feiern. Doch das hat zum Teil Formen angenommen, die übel aufstoßen. Da tanzten die deutschen Spieler um den WM-Pokal wie um das „goldene Kalb“, fehlte bloß noch, dass sie sich vor ihm niedergeworfen und ihn angebetet hätten. Bei der Feier am Brandenburger Tor in Berlin wurde ein Spieler von den Fans mit Sprechgesängen als „Fußballgott“ verehrt und einige Spieler gaben ihrem Stolz Ausdruck, indem sie sich in einer einstudierten Performance über die „Gauchos“ aus Argentinien lustig machten. Was ist nur aus den einstmals so sympathischen und bescheidenen jungen Spielern geworden? Bereits nach dem Kantersieg im Halbfinale gegen Brasilien war die Häme und die Arroganz bei vielen Fans ausgebrochen und auch in den Medien wurden die Deutschen in den Himmel gelobt, wobei Anleihen aus der sakralen und religiösen Sprache nicht gescheut wurden.


Spätestens nach der WM hat sich also einmal mehr gezeigt: Der Profi-Fußball ist zu einem Götzen für das ganze Volk und die ganze Welt geworden. Beinahe alle von uns (auch ich), selbst gestandene Christen, wurden, zumindest zeitweise, vom Fußball-Fieber gepackt. Ein deutliches Indiz dafür dürfte sein, dass viele bei dem Wort „Götze“ als erstes an den Fußballspieler Mario Götze gedacht haben. Die moderne Religion Fußball erfasst immer mehr Menschen. Fanden sich seine Anhänger früher fast ausschließlich beim männlichen Geschlecht, so begeistern sich heute immer mehr Frauen und Mädchen für diesen Sport bzw. für den Zirkus um ihn herum. Darüber hinaus erreicht er mittlerweile alle Gesellschaftsschichten auf breiter Front. Er kennt keine Grenzen mehr. Keine Sportart besitzt eine solche Popularität. Es gibt inzwischen wahrscheinlich kaum ein Land mehr, das dem „König Fußball“ noch nicht huldigt. Selbst die USA sind nun dabei, ihn für sich zu entdecken. Und auf längere Sicht wird er wohl sogar den American Football dort von seinem Platz verdrängen. Damit avanciert der Fußball endgültig zu einer Art „Weltreligion“. Er wird zu einem riesigen medialen Event inszeniert und kann bequem konsumiert und zelebriert werden, ohne dass man sich selbst sportlich betätigen muss. Er liefert das große Drama um Sieg und Niederlage, um Kampf, um Liebe und um Leidenschaft. Man identifiziert sich mit einer Mannschaft oder gar einem bestimmten Spieler, vorzugsweise mit den besten und erfolgreichsten oder man himmelt sie einfach nur an – die Gladiatoren der Neuzeit. Die eingefleischten Fans pilgern jedes Wochenende zu Tausenden und Abertausenden ins Stadion, zum public viewing oder zumindest in die Sports-Bar bzw. die Stammkneipe, um ihrem Hobby zu frönen. Dort wird dann diskutiert, gehofft, gebangt, geklagt, geschrien, gesungen, gejubelt, geweint, geflucht und sogar gebetet (Gott weiß zu wem). Nicht selten kommt es dabei zu Hass, Gewalt, Spott, Anfeindungen und Beleidigungen. Neben Randalen sind Fußballwetten, Spielmanipulation und Korruption leider auch ein Teil des Phänomens.

 

Die Vermarktung und Kommerzialisierung des modernen Profi-Fußballs nimmt stetig zu. Längst schon handelt es sich dabei nicht mehr nur um ein Spiel. Im wahrsten Sinne des Wortes Schwindel erregende Summen sind da im Spiel. Der Mammon hat den Fußball voll im Griff. Wohl auch deshalb geht es bei entscheidenden Spielen dann bereits um „Leben und Sterben“ (Guardiola). Die Bedeutung des Fußballs scheint unermesslich. Wie sonst lässt es sich erklären, dass ein Spieler aus Kolumbien nach einem Eigentor bei einem wichtigen Spiel ermordet wird? Oder dass ganze Völker bei einem Sieg ihrer Nationalmannschaft in ekstatischen Jubeltaumel und bei einer Niederlage in kollektive Trübsal verfallen, wie man es zuletzt bei den Deutschen auf der einen und den Brasilianern auf der anderen Seite erleben konnte? (Besonders hässlich war der Spott der brasilianischen Fans über ihre eigene Mannschaft). Wie sonst könnte es sein, dass Fußball die Titelseiten von Zeitungen und Zeitschriften erobert und in den Nachrichten einen immer größer werdenden Stellenwert erhält? Dabei werden beabsichtigt oder unbeabsichtigt wichtigere Themen aus dem Fokus gerückt.

 

Trotz all der genannten Kritikpunkte darf der Fußball deshalb nicht verteufelt werden, denn er beinhaltet schließlich auch eine Menge positiver Aspekte, wie z. B. Werte wie Fairness, Teamgeist, Kreativität, Sportlichkeit, Fitness und Toleranz. Er besitzt eine verbindende und integrative Kraft, die nicht zu unterschätzen ist. Und außerdem macht er Freude, besonders wenn man ihn selbst aktiv und spielerisch betreibt. Doch wie alles andere auch, mutiert er zum Götzen, wenn man beginnt, ihn „abgöttisch“ zu lieben und ihn an die erste Stelle setzt, ihn quasi religiös verehrt. Durchaus auch aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das passiert schneller als man denkt. Wir sollten diese Gefahr ernst nehmen und den Fußball als das sehen, was er ist, ein schönes Spiel, nicht mehr und nicht weniger.

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